Die organisierte Kriminalität in Deutschland wird immer gewalttätiger, internationaler und zunehmend über digitale Kanäle organisiert. Dies geht aus dem „Bundeslagebericht zur organisierten Kriminalität 2025“ hervor, der am 15. September 2026 vom Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesministerium des Innern vorgelegt wurde.
Die deutschen Behörden führten im Jahr 2025 683 Ermittlungen im Bereich der organisierten Kriminalität durch und identifizierten dabei fast 8.000 Verdächtige – die höchste Zahl seit fünf Jahren –, wobei etwa 69 Prozent der Fälle eine grenzüberschreitende Dimension aufwiesen. Der Drogenhandel blieb mit einem Anteil von rund 37 Prozent an den Verfahren der größte Einzelbereich. Die Sicherstellungen von Kokain und Crack beliefen sich auf 10,1 Tonnen, wovon 6,5 Tonnen in deutschen Häfen abgefangen wurden; die Cannabis-Sicherstellungen haben sich im Vergleich zum Vorjahr etwa verdreifacht, und die Behörden zerschlugen 567 Cannabis-Anbaubetriebe mit jeweils mindestens 20 Pflanzen, was einem Anstieg von etwa 55 Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Der Bericht weist zudem auf eine Veränderung in der Vorgehensweise organisierter krimineller Gruppen hin. Die Behörden beschreiben den zunehmenden Einsatz von „Crime-as-a-Service“-Modellen, bei denen Logistik, Waffen, Geldwäsche und sogar die Anwerbung – oft minderjähriger – Verdächtiger über verschlüsselte Messaging-Apps und soziale Medien angeboten und vermittelt werden, manchmal von Personen, die die Operationen aus dem Ausland leiten, ohne die Täter jemals persönlich zu treffen. Die Behörden wiesen zudem auf einen Anstieg „vollständig gefälschter“ Schusswaffen hin, die außerhalb legaler Kanäle hergestellt und hauptsächlich aus der Türkei nach Europa geschmuggelt werden, sowie auf eine zunehmende Bereitschaft, im öffentlichen Raum Gewalt anzuwenden, einschließlich Erpressung.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die organisierte Kriminalität als „wachsende Bedrohung“ für die innere Sicherheit und verwies auf einen gemeinsamen Aktionsplan zur Beschlagnahmung illegaler Vermögenswerte und zur Verschärfung der Strafen. BKA-Präsident Holger Münch erklärte, kriminelle Netzwerke seien zunehmend digital, international und durch Arbeitsteilung strukturiert, was es erforderlich mache, dass die Polizei eher gegen die zugrunde liegenden Strukturen als gegen einzelne Straftaten vorgehe. Deutschlands Drogenbeauftragter Hendrik Streeck brachte die geschätzten 2.150 im Jahr 2025 registrierten drogenbedingten Todesfälle mit dem Drogenhandel der organisierten Kriminalität in Verbindung und erklärte, die Behörden würden sowohl gegen die Drogenversorgung als auch zur Suchtprävention vorgehen.
Quelle: Bundesministerium des Innern und Bundeskriminalamt (BKA), offizielle Pressemitteilung vom 15. September 2026.